Statistiken/Statistics

Warum brauchen wir Statistiken?

Dem zugrunde liegt die Auffassung, dass akkurate Statistiken – sowie ihre Zusammenhänge und Einordnung – notwendig sind, um eine effektive Strategie zu entwickeln und umzusetzen, Feminizide zu verhindern. Auch deshalb, weil Politiker_innen und Öffentlichkeit in Deutschland dadurch einfacher überzeugt werden können, das ein bestimmtes Problem besteht.

Through hard data, we can change laws; through laws, we can then work on changing attitudes to femicide” (ACUNS, femicide VII).

Welche Zahlen haben wir in Deutschland? Was sagen sie (nicht) aus?

Erst 2011 wurden Voraussetzungen dafür getroffen, die (versuchten und vollendeten) Tötungen von Frauen* in Partnerschaften in der polizeilichen Kriminalstatistik aufzuführen. Das bedeutet, dass zum ersten Mal die Beziehung von Täter und Opfer und die Delikte aufgeführt sind. Vorher gab es keine aussagekräftigen Statistiken dazu.

Laut der BKA-Statistik gab es 2015 in Deutschland 131 vollendete und 200 versuchte Tötungen von Frauen* durch ihren Partner oder Ex-Partner. Der Statistik zufolge sind das 44% aller Frauen*, die als Opfer von Mord und Totschlag registriert wurden – das bedeutet auch, dass wir über die anderen 56% (also rund weitere 350 Frauen*) nichts aus der Statistik über Partnergewalt entnehmen können.

Des Weiteren berichten Frauenhäuser und Beratungseinrichtungen von Vorfällen, in denen es Hinweise auf Tötungsabsichten gibt (z.B. „Angriffe auf den Hals“), die aber nicht als solche strafrechtlich bewertet und verfolgt werden. Selbst wenn Gutachter_innen bzw. Rechtsmediziner_innen bestätigen, dass die Frau* nur durch einen glücklichen Zufall überlebt hat, ist dies kein Garant für die juristische Wertung als versuchte Tötung. (Wir frauen)

Es ist unklar, ob Trans*frauen in die Statistik aufgenommen sind, zumindest werden sie nicht speziell aufgeführt.

Aber welche Zahlen/Daten brauchen wir?

Es fehlen sowohl quantitative wie auch qualitative Zahlen und Daten zu Feminiziden/Frauen*morden in Deutschland, um sowohl das Ausmaß, als auch Risikofaktoren und Schutzlücken zu erkennen.

Dazu würde es entweder eine Definition von Feminizid benötigen oder man müsste alle Morde an Frauen* zusammen erfassen. Es ist eine offene Frage: Was wären hier Vor- und Nachteile?

Die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, Dubravka Šimonović, hat die Forderung zu ihrem Arbeitsschwerpunkt gemacht, in jedem Land eine „Femicide Watchgroup“ einzurichten (ein alternativer Namensvorschlag von GREVIO ist „Femicide Prevention Watchgroup“, um das Ziel dahinter stärker deutlich zu machen). Diese sollen auch analysieren, wie Gerichte urteilen, um Lücken im Hilfesystem, Polizei und Justiz herauszufinden.

Šimonović: “Women and their children continue to die in cruel ways as victims of gender related killings committed by family members or intimate partners. However, the predominate collection of data on homicides do not include information on the relationship between perpetrator and victim and as such do not reveal femicide cases.
Information concerning the prosecution and punishment of perpetrators should also be collected and published. Most importantly, each case of gender-related killing should be carefully analysed to identify any failure of protection, also in view of improving and developing further preventive measures. Too often this analysis focuses only on legislation and does not reveal, for example, the inefficiency of protection orders, the lack of adequate shelters’ provision, or the general gender blind response of the criminal justice system. These shortcomings should be properly detected through the provision of a multidisciplinary national mechanism such as a ‘Femicide Watch’, ‘Gender-Related Killing of Women Watch’ or an ‘Observatory on Femicide’. In the collection, analysis and publication of such data, States should co-operate with NGOs, independent human rights institutions, academia, victims’ representatives, and all relevant stakeholders working in this field.“ (ACUNS, femicide VII)

[Wie steht das in Zusammenhang mit internationalen Übereinkommen, die Deutschland unterzeichnet oder ratifiziert hat, konkret CEDAW Empfehlung 19, Istanbul-Konvention Art.11]

Was haben das die anderen Länder gemacht?

[Der Beginn einer Linksammlung, die aber noch anwachsen soll]

England: https://www.womensaid.org.uk/what-we-do/campaigning-and-influencing/femicide-census/

Argentinien: 2008 hat die Frauenrechtsorganisation „Casa del Encuentro“ begonnen Feminizide zu zählen. Seit 2014 führt auch der Oberste Gerichtshof eine Statistik, diese führt aber nur Fälle auf, die ein Gerichtsverfahren hatten, und lässt z.B. Fälle, in denen der Täter Selbstmord begangen hat aus.

EU: The COST Action launched the EOF (European Observatory on Femicide). https://www.femicide.net/

Was können wir in Deutschland machen? Wer ist ansprechbar?

Offene Frage….

LINKS

http://acuns.org/wp-content/uploads/2017/06/Femicide-Volume-VII-Establishing-a-Femicide-Watch-in-Every-Country.pdf

http://www.cost.eu/COST_Actions/isch/IS1206

 

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