Femi(ni)zide – geschlechtsbasierte Tötungen an Frauen*

#Bildgewaltig – Aktion zum Tag gegen Gewalt gegen Frauen*


#keinemehr und Gender Equality Media rufen euch zu einer gemeinsamen Aktion auf

Es ist mittlerweile überall. Die Erkenntnis, dass tagtäglich versuchte Frauen*morde in Deutschland geschehen, die fast jeden dritten Tag ausgeführt werden. Sie werden rassifiziert, wenn sie als  kulturelles Problem einer angeblich anderen Kultur gesehen werden. Die Fälle in Deutschland, von Deutschen begangen, werden als eine private, unglückliche private Tragödie aufgefasst.

 

Kein Familiendrama, sondern Femizid – #niunamenos

Für diese Forderung kämpfen Feminist*innen global seit langem. In Mexiko wurde Femizid 2012 zu einer offiziellen politischen Kategorie. Diese Forderung drang dann bis nach Deutschland durch. Auch hier kämpfen wir gegen die Frauen*morde. Seit kurzem ist die Diskussion um Frauen*mord als eine politische Kategorie in aller Munde.

 

#Keine mehr in Deutschland

#keinemehr setzt sich seit 2017 auch in Deutschland für die Verwendung des politischen Begriffs Feminizid ein. Damit wollen sie sichtbar machen, dass Männer Frauen* töten. Dass das keine vereinzelten Familiendramen oder Eifersuchtsmorde sind. Und dass die deutsche Gesellschaft mitverantwortlich ist, dass dies geschehen kann. Dazu gehört auch die mediale Berichterstattung.

 

Femizid benennen – erste Erfolge

Viele Medien berichten schon nicht mehr von Eifersuchtstat und Familiendrama, sie sprechen von einem Frauen*mord. Auch wir richteten uns zuletzt mit einem offenen Brief an die dpa, Deutschlands größte Nachrichtenagentur. Diese sprach sich nun offiziell dafür aus, nicht mehr “Familiendrama” zu schreiben. Die jahrelange Arbeit von Aktivist*innen wird gehört.

 

#Bildgewaltig – die Macht von Bildern

Dennoch sehen wir neben der sich wandelnden Berichterstattung fragwürdige Bilder, die die Berichterstattung begleiten: Frauen*, die aus dem Fenster starren, gekrümmt in einer Ecke liegen, eine erhobene männliche Faust. Also Frauen* als wehrlose Opfer. Ein heterosexuelles Paar das sich streitet und damit gezeigt wird: es ist irgendwie doch noch “Beziehungstat”. Marlene Pardeller von #keinemehr aber sagt: “Bilder sind genauso wichtig wie Begriffe. An ihnen müssen wir arbeiten, um unser Bewusstsein zu verändern.

 

Der Aufruf an euch

Zum Tag gegen Gewalt gegen Frauen* wollen wir diesen Schritt zusammen mit der crew von #keinemehr komplettieren. Die Bebilderung bei Berichterstattung von Feminiziden (Frauen*morden), feminizider Gewalt und geschlechtsbasierter Gewalt (z.b. Häuslicher Gewalt) zeigt in den meisten Medien die Frau* in der Opferrolle.

Um dem entgegenzuwirken, rufen wir euch auf, uns Bilder zu schicken, die ihr für die Berichterstattung freigebt. Damit bauen wir eine alternative Bild-Datenbank auf, auf die Journalist*innen zurückgreifen können, wenn sie Bilder für ihren Bericht suchen.

Bis zum 25.12.2019 sammeln wir eure lizenzfreien Bilder. Die besten Bilder werden auf einer Bilddatenbank zur lizenzfreien Nutzung den Journalist*innen zur Verfügung gestellt.
Wir freuen uns auf eure Einsendungen! Bitte schickt diese an keineeinzigemehr@gmail.com

Eure #keinemehr x GEM Crews

FEMIZID

Der Begriff kommt aus dem Jahr 1976 von Diana E. H. Russell, einer feministischen Aktivistin und Soziologin, die in den USA lebt. Der Begriff „Femicide“ wurde von ihr erstmals bei dem internationalen Tribunal zu Gewalt gegen Frauen 1976 in Brüssel eingebracht: Das Töten von Frauen, weil sie Frauen sind.
Diana E. H. Russell veröffentlichte später, im Jahr 1992, gemeinsam mit Jill Radford das Buch „Femicide: the politics of woman killing“.

FEMINIZID

Marcela Lagarde, eine feministische Aktivistin, Professorin und Autorin aus Mexiko, übernahm den Begriff „femicide“ und erweiterte das Konzept. Sie schrieb:

Die Kategorie feminicidio ist Teil des theoretischen Wortschatzes des Feminismus (…) Die Übersetzung von femicide ist femicidio. Ich übersetzte ihn ohne zu Zweifeln von femicide in feminicidio und auf diese Weise habe ich den Ausdruck verbreitet. Auf Spanisch ist femicidio analog zu homicidio (zu Deutsch Mord) und bedeutet schlicht: Mord an Frauen. Um zu differenzieren, bevorzugte ich den Ausdruck feminicidio, um so die Gesamtheit der Verletzung der Menschlichkeit, die die Verbrechen an den Frauen und ihr Verschwinden kennzeichnen, zu benennen.[1]

Der Begriff Femizid bezeichnet den gewaltsamen Tod der Frauen* infolge eines Verbrechens. Die Definition Feminizid ordnet den Tod der Frau* hingegen gesellschaftspolitisch ein, sprich Tötungsdelikte an Frauen* als Folge von Geschlechterdiskriminierung. Femizid und Feminizid unterscheiden sich in ihrer Definition hauptsächlich mit dem Merkmal der Straflosigkeit und der Verantwortung des Staates. Wir sind der Auffassung beide Begriffe zu verwenden, um Kämpfe zu vereinigen. 

Aus der medialen Berichterstattung und Polizei Statistik geht klar hervor, dass es sich meist um ermordete Frauen handelt – was weder in den Statistiken noch in der Öffentlichkeit thematisiert wird sind jedoch die Morde an Sexarbeiterinnen und Trans-Frauen*. Wir haben uns für das Sternchen* bei Frauen entschieden, weil alle, die sich mit der Bezeichnung „Frau“ definieren, definiert werden und/oder sich sichtbar gemacht sehen, die gesellschaftlich genormte Gewalt abbekommen.

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